Mit dem BMF Schreiben zu den Einzelfragen zur ertragsteuerlichen Behandlung von virtuellen Währungen und von sonstigen Token vom 10.05.2022 hat das Bundesfinanzministerium nun endlich den Entwurf des BMF Schreibens vom 17.06.2021 finalisiert.

Bereits in den von uns vom 04.03.2022 und 07.04.2022 veröffentlichen Blogbeiträgen haben wir insbesondere Stellung zu der ertragsteuerlichen Behandlung von Kryptowährungen im Privatvermögen genommen. Eine Welt die hinsichtlich der steuerrechtlichen Regelungen und Erfahrungen noch sehr lückenhaft ist.

Für die steuerliche Beratung und auch für die „Anleger von Kryptowährungen“ ist es daher eine sehr erfreuliche Nachricht, dass nun nach fast einem Jahr Wartezeit das finale BMF Schreiben veröffentlicht worden ist.

Bereits mit dem Entwurf des BMF-Schreibens vom 17.06.2021 zur Besteuerung von virtuellen Währungen und Token hatte die Finanzverwaltung eine erste vorsichtige Beurteilung zur Besteuerung von Kryptowährungen vorgenommen.

Gliederung des BMF Schreibens

Wie schon der Entwurf des BMF Schreibens vom 17.06.2021 über die ertragsteuerliche Behandlung von Kryptowährungen besteht auch das finale BMF Schreiben im Wesentlichen aus zwei Teilen.

Im Ersten Teil werden Begriffe der Kryptowährungswelt erläutert. Hier sind im Vergleich zum Entwurf des BMF Schreibens ausführlichere Definitionen zu finden.

Im Zweiten Teil wird auf die ertragsteuerliche Behandlung von Kryptowährungen im Betriebs- und Privatvermögen eingegangen.

Tätigkeiten im Zusammenhang mit Einheiten einer virtuellen Währung und mit sonstigen Token können, je nach den Umständen des Einzelfalls, zu Einkünften aus allen Einkunftsarten (§ 2 Absatz 1 Satz 1 EStG) führen. In Betracht kommen insbesondere Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 15 EStG), Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG), Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG), Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften (§ 22 Nr. 2 in Verbindung mit § 23 EStG) oder sonstige Einkünfte (§ 22 Nummer 3 EStG).

Keine Haltefristverlängerung bei „Staking“ und „Lending“ im Privatvermögen

Die wichtigste und erfreulichste Nachricht für „Inhaber von Kryptowährungen“ ist, dass es nach dem finalen BMF Schreiben im Vergleich zu dem Entwurf keine Haltefristverlängerung bei der Nutzung der Kryptowährungen als Einkunftsquelle (mit Einkunftserzielung) gibt.

Im Entwurf des BMF Schreibens wurde bereits Stellung zu den Vorgängen „Staking“ und „Lending“ genommen. Das finale BMF Schreiben definiert die Begriffe nunmehr präziser.

Beim „Cold Staking“ werden die Teilnehmer für das langfristige Halten von virtuellen Währungen belohnt. Daber werden vom Staker bestimmte Einheiten der virtuellen Währung über einen bestimmten Zeitraum gesperrt. Während der Sperrzeit kann der Cold Staker auf diese Einheiten der virtuellen Währung nicht zugreifen. Nach Ablauf der Sperrzeit erhält der Cold Staker eine Belohnung in Form von zusätzlichen Einheiten von virtuellen Währungen.

Beim „Lending“ werden Einheiten einer virtuellen Währung gegen eine Vergütung zur Nutzung überlassen und dadurch zusätzliche Einheiten einer virtuellen Währung generiert.

Unzweifelhaft ist, dass die zusätzlich erzielten Einheiten der virtuellen Währungen durch „Staking“ oder „Lending“ Einkünfte aus sonstigen Leistungen gemäß § 22 Nummer 3 EStG darstellen. Diese Auffassung wurde bereits im Entwurf des BMF Schreibens vertreten und durch das finale BMF Schreiben bestätigt.

Im Entwurf des BMF Schreibens zur Besteuerung von Kryptowährungen wurde die Ansicht vertreten, dass sich durch die o. g. zusätzlich erzielten Einheiten von virtuellen Währungen (aus der Nutzung der Kryptowährungen als Einkunftsquelle) die Haltefrist für den steuerfreien Verkauf im Privatvermögen dieser virtuellen Währungen von ein auf zehn Jahre verlängert (§ 23 Absatz 1 Nummer 2 Satz 4 EStG).

Aus dem finalen BMF Schreiben zu den Einzelfragen zur ertragsteuerlichen Behandlung von virtuellen Währungen und von sonstigen Token geht nun hervor, dass es keine Verlängerung der Veräußerungsfrist von ein Jahr auf zehn Jahre gibt.

Demnach muss insbesondere bei Verkäufen von virtuellen Währungen im Privatvermögen, mit denen „Staking“ oder „Lending“ betrieben worden ist, nicht auf die Verlängerung der Veräußerungsfrist geachtet werden.

Allerdings ist darauf zu achten, dass das BMF lediglich für virtuelle Währungen die Verlängerung der Veräußerungsfrist ausschließt. Demnach nur für sogenannte „Currency oder Payment Token“, welche als Zahlungsmittel genutzt werden.

Hiervon nicht erfasst sind beispielsweise Non Fungible Rokens (NFTs). NFTs versehen beispielsweise Bilder, Songtexte, Filmsequenzen, Gaming-Figuren mit einer Art Wertmarke (Token), die – im Gegensatz zu bspw. Bitcoins – einzigartig und nicht austauschbar (non-fungible) sind.

Bei NFTs kann es allerdings durchaus auch zu Haltefristverlängerungen von ein auf zehn Jahre kommen. Die Verlängerung sei beispielsweise denkbar bei virtuellen Grundstücken in Form von NFTs, die für die Einkünfteerzielung genutzt werden. Ob diesbezüglich eine Haltefristverlängerung in Betracht kommt wird nicht endgültig durch das BMF Schreiben geklärt.

Kryptowährungen im Betriebsvermögen

Sind die Einkünfte aus der Blockerstellung nicht bereits kraft Rechtsform als solche aus Gewerbebetrieb einzuordnen, hängt die Einordnung als gewerbliche Tätigkeit davon ab, ob die Voraussetzungen eines Gewerbebetriebs nach § 15 Absatz 2 EStG vorliegen. Gewerbliche Einkünfte liegen insbesondere bei den Tätigkeiten der Blockerstellung („Proof of Work“ oder „Proof of Staking“) vor.

Sämtliche Einnahmen aus Kryptowährungen im Betriebsvermögen stellen Betriebseinnahmen dar und sind dementsprechend als gewerbliche Einkünfte zu versteuern.

Laut dem finalen BMF Schreiben stellen Kryptowährungen nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter dar, die nach den allgemeinen bilanzsteuerrechtlichen Grundsätzen dem Anlage- oder Umlaufvermögen zuzuordnen sind. 

Bei der Zuordnung zum Anlagevermögen sind Kryptowährungen unter den Finanzanlagen im Sinne des § 266 Absatz 2 A. III. HGB und bei der Zuordnung zum Umlaufvermögen unter sonstige Vermögensgegenstände im Sinne des § 266 Absatz 2 B. II. 4. HGB zu erfassen.

Fazit

Es ist zu begrüßen, dass das finale BMF insbesondere in den Fällen des „Stakings“ und „Lendings“ die bisher vertretene Ansicht in dem Entwurf des BMF Schreibens der Haltefristverlängerung von einem auf zehn Jahre nicht weiterverfolgt und nach dem finalen BMF Schreiben keine Haltefristverlängerung für den Verkauf von virtuellen Währungen im Privatvermögen in den vorgenannten Fällen steuerlich zu beachten ist.

Erstaunlicherweise hält das BMF aber weiterhin daran fest, dass es sich bei Kryptowährungen um „andere Wirtschaftsgüter“ im Sinne des § 23 Absatz 1 Nummer 2 EStG handelt, ohne auf hierzu wichtige technische Details einzugehen.

Im finalen BMF Schreiben heißt es dazu lediglich: „Die einzelnen Einheiten virtueller Währungen und sonstigen Token sind Wirtschaftsgüter. Sie vermitteln die Möglichkeit, die dem eigenen öffentlichen Schlüssel zugewiesenen vermögenswerten Vorteile einem anderen öffentlichen Schlüssel zuzuweisen. Anhand ihres regelmäßig über Börsen (z. B. Börse Stuttgart Digital Exchange), Handelsplattformen (z. B. Kraken, Coinbase und Bitpanda) und Listen (z. B. coinmarketcap.com/de) ermittelbaren Marktpreises sind sie einer selbständigen Bewertung zugänglich.“

Es bleibt weiterhin offen, wie der Bundesfinanzhof die Besteuerung von Kryptowährungen einschätzen wird. Wir empfehlen daher weiterhin bei in Einkommensteuerbescheide berücksichtigten Gewinnen aus dem Verkauf von Kryptowährungen nach § 22 Absatz 1 Nr. 2 EStG i.V.m. § 23 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 EStG, die Bescheide durch Einspruch offen zu halten.

Vor dem BFH ist hierzu weiterhin ein Verfahren unter dem Aktenzeichen IX R 3/22 anhängig.

Durch die Komplexität der Kryptowährungen ist insbesondere bei der Besteuerung der jeweilige Einzelfall zu prüfen und mithilfe des neuen BMF Schreibens zur ertragsteuerlichen Behandlung von virtuellen Währungen und von sonstigen Token vom 10.05.2022 das steuerlich korrekte und günstigste Ergebnis zu erklären.

Wenden Sie sich daher bei Fragen rund um die Besteuerung von Kryptowährungen gern an uns.

Autoren: StB Markus Konheiser, Niclas Henoch