16
Jan
2018

Arbeitsrecht

Der Fall Heinz Müller: Befristung des Arbeitsvertrags von Profifußballern ist regelmäßig gerechtfertigt

Nicolas Wessels

Die Befristung von Arbeitsverträgen mit Fußball-Bundesligaprofis ist regelmäßig wegen der Eigenart der Arbeitsleistung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG gerechtfertigt. Dies hat das BAG am heutigen Tage (Urteil vom 16.01.2018 – 7 AZR 312/16, bislang nur als Pressemitteilung vorliegend) entschieden und die Klage des ehemaligen Torwarts Heinz Müller gegen den Fußball-Bundesligisten 1. FSV Mainz 05 abgewiesen.

Keeper begehrte unbefristetes Arbeitsverhältnis
Der Arbeitsvertrag des Torhüters sah im Kern eine Befristung zum 30.06.2014 vor, wobei sowohl für den Spieler als auch die Verein die Option bestand, den Vertrag um ein Jahr zu verlängern, wenn der Spieler für den Verein in der Saison 2013/2014 in mindestens 23 Spielen der Fußball- Bundesliga zum Einsatz kommt. Nach einer in der Hinrunde erlittenen Verletzung wurde der Torhüter allerdings nur noch in der zweiten Mannschaft des Vereins eingesetzt und verpasste somit die zur Optionsausübung berechtigende erforderliche Anzahl von 23 Bundesligaspielen in dieser Saison. Mit seiner Klage begehrte er die Feststellung, dass das Arbeitsverhältnis zum Verein nicht aufgrund der vereinbarten Befristung am 30.06.2014 geendet hat und macht hilfsweise den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses infolge der von ihm ausgeübten Verlängerungsoption bis zum 30.06.2015 geltend. Zudem fordert der Torhüter die Zahlung von Erfolgsprämien für die Spiele der Rückrunde der Saison 2013/2014.

BAG: Berechtigtes Interesse an der Befristung
Das BAG wies die Klage – im Einklang mit dem Landesarbeitsgericht – vollumfänglich ab. Insbesondere die Befristung des Arbeitsverhältnisses sei wegen der Eigenart der Arbeitsleistung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG gerechtfertigt. Im kommerzialisierten und öffentlichkeitsgeprägten Spitzenfußballsport werden von einem Profifußballer im Zusammenspiel mit der Mannschaft sportliche Höchstleistungen erwartet und geschuldet. Diese könne der Spieler jedoch nur für eine begrenzte Zeit erbringen. Dies sei eine Besonderheit, die regelmäßig ein berechtigtes Interesse des Vereins an der Befristung des Arbeitsverhältnisses begründe. Darüber hinaus seien die Voraussetzungen der Verlängerungsoption und des geltend gemachten Prämienanspruch nicht erfüllt. Der Verein habe die Erfüllung dieser Voraussetzungen auch nicht treuwidrig vereitelt, indem er den Spieler nur noch in der zweiten Mannschaft eingesetzt hat.

Urteil stärkt die Entscheidungsfreiheit des Vereins
Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts kommt nicht überraschend und dürfte von den Profisportvereinen äußerst wohlwollend zur Kenntnis genommen werden. Zum einen wurde mit dem Urteil die wohl ausschließlich ausgeübte Praxis, Bundesligaprofis nur mit befristeten Arbeitsverträgen auszustatten, rechtlich bestätigt, zum anderen wurde das Recht des Vereins bestätigt, frei darüber zu entscheiden, in welcher Mannschaft ein Spieler eingesetzt wird. Infolgedessen steht dem Spieler kein Anspruch auf entgangene Prämien zu, selbst wenn er vom Verein nicht die Möglichkeit bekommt, diese zu erreichen. Die Entscheidungsgründe dürfen mit Spannung erwartet werden, um die Reichweite des Urteils und dessen Übertragbarkeit etwa auf Spielklassen unterhalb der Fußball-Bundesliga oder auf andere Sportarten einordnen zu können.

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