06
Aug
2018

Stiftungen und gemeinnützige Organisationen

Die Menge macht‘s – Spendenabzug beim „Crowdfunding“

Dr. Julia Runte, LL.M.

Auf der Suche nach innovativen Finanzierungsmöglichkeiten versuchen spendensammelnde gemeinnützige Organisationen seit einigen Jahren vermehrt über Spenden-Portale im Internet Mittel für gemeinwohlorientierte Projekte einzusammeln. Das Bundesfinanzministerium (BMF) erkennt jetzt mit Schreiben vom 15.12.2017 die Abzugsfähigkeit der im Wege des Crowdfunding über diese Portale eingesammelten Spenden unter bestimmten Voraussetzungen ausdrücklich an.

Begriff des Spenden Crowdfunding
Unter Spenden Crowdfunding versteht das BMF anlassbezogene Spendensammlungen über ein Crowdfunding Portal im Internet. Regelmäßig werden hier nur bei Erreichen eines bestimmten Sammlungsziels während der Dauer der Aktion die eingesammelten Mittel an einen bestimmten Projekt-Veranstalter weitergeleitet. Gegenleistungen für die erbrachten Zuwendungen erhalten dabei weder das Crowdfunding Portal noch die einzelnen Spender.

Erteilung von Zuwendungsbestätigungen möglich
Wenig überraschend ist zunächst, dass Crowdfunding Aktionen für eigene Projekte eine Zuwendungsbestätigung erteilt werden kann, wenn das spendensammelnde Portal selbst eine steuerbegünstigte Körperschaft im Sinne der Abgabenordnung (AO) ist. Dies entspricht allgemeinen spendenrechtlichen Grundsätzen. Soweit also Stiftungen oder andere gemeinnützige Organisationen auf Basis der Vorgaben des BMF selbst entsprechende Spendenaufrufe im Internet starten, kann nach den allgemeinen Grundsätzen eine Zuwendungsbestätigung erteilt werden.

Das gilt weiter auch für gemeinnützige Körperschaften als Crowdfunding Portale, die als reine Förderkörperschaft agieren. Sie leiten Zuwendungen an andere steuerbegünstigte Körperschaften weiter, die dann ihrerseits damit gemeinwohlorientierte Projekte verwirklichen. Sammelt also eine Förderstiftung über das Internet Mittel für die Weiterleitung an ein Projekt eines gemeinnützigen Vereins, kann die Fördererstiftung Zuwendungsbestätigungen an die Förderer erteilen. Hier sollte allerdings darauf geachtet werden, dass die Zuwendungsmittel durch die Stiftung für eigene Rechnung vereinnahmt werden und in Verwirklichung der eigenen satzungsmäßigen Zwecke weitergereicht werden. Dies bedeutet konkret, dass die Rolle der Förderstiftung nach außen klar erkennbar sein muss.

Soweit das Crowdfunding Portal selbst gemeinnützig ist, ist auch ein vereinfachter Zuwendungsnachweis für Spenden bis € 200,- möglich.

In der dritten Variante schließlich ist der Projekt-Veranstalter selbst zur Ausstellung von Zuwendungsbestätigungen berechtigt, das nicht selbst gemeinnützige Crowdfunding-Portal tritt also lediglich als Treuhänder auf. Hier fordert das BMF auch, dass eine zweifelsfreie Zuordnung der Spenden zum jeweiligen Zuwendenden möglich sein muss. Damit wird hier im Ergebnis auch bei internetbasierten Sammlungsinitiativen ein Verfahren angewendet, das bei Spenden anlässlich von Geburtstagen oder Jubiläen bereits seit langem erfolgreich praktiziert wird.

Ist vor Abschluss der Crowdfundingaktion noch nicht endgültig klar, ob das Projekt finanziert wird und müssen die Mittel im Fall des Scheiterns an die Förderer zurückgegeben werden, darf erst nach Abschluss der Aktion für den Fall des Erfolgs eine Zuwendungsbestätigung nach § 10b EStG erteilt werden.
Auch dürfen die Projekt-Unterstützer keine Gegenleistung für die Zuwendung erhalten, die über ein rein symbolisches „Dankeschön“ hinausgeht. Als Beispiel erwähnt das BMF hier die Übersendung eines Rechenschaftsberichtes.

Klarstellungen sind zu begrüßen, aber…
Aus Sicht spendensammelnder Organisationen ist es zunächst positiv zu bewerten, dass das BMF sich mit Internet basierten Tools für die Mitteleinwerbung auseinandersetzt. Auch führt die Übertragung der allgemeinen spendenrechtlichen Grundsätze auf digitale Sammlungsvorgänge zu einem Mehr an Rechtssicherheit.

…Spender-Incentives bleiben problematisch.
Soweit das BMF aber lediglich die Übermittlung eines Rechenschaftsberichts über die Durchführung des finanzierten Projektes als Beispiel eines spendenunschädlichen symbolischen Dankeschön aufführt, entspricht diese restriktive Auffassung nicht den praktischen Bedürfnissen spendensammelnder gemeinnütziger Körperschaften. Bei der Bewertung des möglichen Gegenleistungscharakters eines solchen Dankeschöns sollte vielmehr individuell die Relation von Höhe der Zuwendung und Wert des Dankeschöns ausschlaggebend sein. Es dürfte außer Frage stehen, dass die Überlassung eines einfachen Kugelschreibers oder ähnlichen als Dankeschön z. B. für eine geleistete Spende über 100 € nichts an der altruistische Motivation des Spenders ändert. Unabhängig von dem Crowdfunding-Thema wäre es aus Sicht der Praxis begrüßenswert, wenn das BMF sich klarstellend zu einer großzügigeren Auffassung für die üblichen Spender-Incentives bekennen würde.

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