26
Nov
2015

Neudefinition von Umsatzerlösen nach BilRUG

Beatrix Arlitt

Die Regelungen des Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetz (BilRUG) gelten im Wesentlichen erst für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2015 beginnen, also erstmalig für die Jahresabschlüsse zum 31. Dezember 2016.
Jedoch können die Neuregelungen zu den Schwellenwerten, die die Größenklassen von Unternehmen und damit u.a. die Prüfungspflicht und andere Erleichterungen für die Erstellung von Jahresabschlüssen bestimmen, schon vorher angewendet werden. Allerdings nur dann, wenn auch die Änderung der Definition der Umsatzerlöse angewendet wird.

Bislang war für die Zuordnung zu den Umsatzerlösen allein entscheidend, ob die Umsätze im Rahmen der für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit eines Unternehmens typischen Leistungsangebote ausgeführt wurden. Ansonsten wurden die Erlöse unter den sonstigen betrieblichen Erträgen gezeigt.

Zukünftig sollen Erlöse aus der Veräußerung von Produkten und Dienstleistungen auch dann in die Umsatzerlöse einzubeziehen sein, wenn sie  nicht für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit der Gesellschaft typisch sind.

Der Hauptfachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer hat folgende Regelungen  zur Neudefinition der Umsatzerlöse entschieden:

  • Veräußerungserlöse sind dann als Umsatzerlöse auszuweisen, wenn sie aus der Veräußerung von Produkten resultieren, d.h. Vermögensgegenstände, die regelmäßig im Rahmen der Geschäftstätigkeit des bilanzierenden Unternehmens veräußert werden. Dabei handelt es sich i.d.R. um Erlöse aus der Veräußerung von Erzeugnissen und Waren, ohne darauf beschränkt zu sein.
  • Erlöse aus der Erbringung von Dienstleistungen sind unabhängig davon als Umsatzerlöse auszuweisen, ob die Dienstleistung für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit typisch ist oder nicht. Voraussetzung für den Ausweis als Umsatzerlöse ist allerdings ein Leistungsaustausch. Ob ein solcher vorliegt, ist im Einzelfall zu beurteilen und beispielsweise bei „Konzernumlagen“ häufig, aber nicht immer gegeben. An der Zuordnung von Zinserträgen zum Zinsergebnis ändert die Neudefinition der Umsatzerlöse nichts.
  • Der Begriff der „sonstigen direkt mit dem Umsatz verbundenen Steuern“, die künftig von den Umsatzerlösen abzuziehen sind, ist eng auszulegen. Es handelt sich insbesondere um Verbrauchsteuern, deren Steuerschuldner das bilanzierende Unternehmen selbst ist, die am Abschlussstichtag nicht zu aktivieren sind und die außerdem (nahezu) zeitgleich mit den korrespondierenden Umsatzerlösen entstehen.

Weiterhin empfehlen wir, rechtzeitig die Auswirkung der Neudefinition der Umsatzerlöse im Einzelfall zu untersuchen, da diese Auswirkungen auf bestehende Verträge haben könnte,wie z.B. Umsatzerlösabhängige Mietverträge, Tantiemeregelungen, Kreditverträge mit Covenants.

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