24
Mar
2021

Rechnungslegung

Neue Nutzungsdauern für „digitale“ Vermögensgegenstände – Auswirkungen auf die Handelsbilanz

Beatrix Arlitt

Das Bundesministerium für Finanzen hat am 26. Februar 2021 ein Schreiben über die Nutzungsdauer von Computerhardware und Software zur Dateneingabe und -verarbeitung veröffentlicht (siehe ESCHE blog v. 4. März 2021).

Nach diesem Schreiben kann die Nutzungsdauer i.S. von § 7 Abs.1 Satz 2 EStG für Computerhardware und Software anstatt, wie bisher, von drei bis fünf Jahren auf ein Jahr angenommen werden. Diese verkürzte Nutzungsdauer kann erstmalig  für Wirtschaftsjahre angewendet werden, die nach dem 31. Dezember 2020 enden. Die Regelung gilt auch für Vermögensgegenstände, die in den Vorjahren angeschafft wurden und noch nicht vollständig abgeschrieben worden sind.

In dem obengenannten BMF-Schreiben wird als Begründung für die Verkürzung der Nutzungsdauer der aufgrund des raschen technischen Fortschritts immer schnellere Wandel bei diesen Vermögensgegenständen genannt und, dass die Nutzungsdauer für diese Vermögensgegenstände 20 Jahre nicht mehr überprüft worden ist.

Der Veröffentlichung des BMF-Schreibens vorangegangen war eine Videoschaltkonferenz am 19. Januar 2021 zwischen der Bundeskanzlerin und den Regierungschefinnen und –chefs der Länder, in der die Sofortabschreibung von digitalen Vermögensgegenständen  zur „Stimulierung der Wirtschaft“ beschlossen wurde. Davon sollten all diejenigen profitieren, die im Homeoffice arbeiten.

Fraglich ist, ob dieses steuerliche Wahlrecht auch für die Handelsbilanz gilt.

Das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) hat sich mit dieser Frage beschäftigt und am 22. März 2021 dazu ein Schreiben veröffentlicht.

Nachdem durch das BilMoG im Jahr 2009 die sogenannte umgekehrte Maßgeblichkeit aufgehoben wurde und nach Maßgabe allein steuerlich zulässiger betriebsgewöhnlicher Nutzungsdauern ermittelte planmäßig fortgeführte Buchwerte nicht mehr ohne Weiteres in die handelsrechtliche Rechnungslegung übernommen werden können, stellt sich die Frage, wie handelsrechtlich verfahren werden muss.

Für handelsbilanzielle Zwecke erfolgt die Schätzung betriebsgewöhnlicher Nutzungsdauern anhand der betrieblichen Realität. Dabei leitet man die Nutzungsdauer vorrangig aus Erfahrungswerten ab und zieht auch betriebliche Planungen für Investitionen heran.

In der Regel dürfte es sowohl bei Hardware als auch bei Software schwer nachzuweisen sein, dass sie nur ein Jahr im Unternehmen genutzt werden. Insbesondere bei der Anschaffung von ERP-Systemen werden erhebliche Investitionsbeträge fällig, die wohl kaum investiert würden, wenn diese Systeme nur ein Jahr genutzt würden.

Werden kürzere steuerrechtliche Nutzungsdauern angesetzt als handelsrechtlich, kommt es zu geringeren Ansätzen von Aktiva in der Steuerbilanz, was zur Abgrenzung von passiven latenten Steuern führt. Diese sind gemäß § 274 Abs.1 Satz 1 HGB zu passivieren. 

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