24
Jun
2019

Gewerblicher Rechtsschutz

Rezo – Was auch immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende

Dr. Oliver StegmannJulian Leucht

Mit seinem Video Die Zerstörung der CDU gelang dem YouTuber Rezo kurz vor den Europawahlen ein echter Coup. Über 15 Millionen Mal wurde das Video bislang aufgerufen. Doch auch im Allgemeinen ist die Reichweite von Rezo beeindruckend: Mit zwei YouTube-Kanälen erreicht er rund 2,5 Millionen Abonnenten. Dabei agiert Rezo durchaus professionell. Er wird von dem Influencer-Netzwerk Tube One vermarktet, das zu Ströer Digital gehört. In einer Broschüre über ihr „Social Influencer Advertising“ nennt sie Rezo als Top-Influencer mit im Schnitt 210 Millionen Views pro Monat.

Rezo könnte man also durchaus als prominent bezeichnen. Doch wer Rezo im tatsächlichen Leben ist, ist ein Geheimnis, und geht es nach Rezo, soll das auch so bleiben.

In einem sogenannten presserechtlichen Informationsschreiben, dessen Ziel üblicherweise ist, die Medien von Berichterstattung abzuhalten, ließ Rezo über seinen Rechtsanwalt kürzlich mitteilen, sein bürgerlicher Name dürfe nicht genannt werden. Auch der Titel etwa seiner „Master-/Bachelorthesis“ sei geheimhaltungsbedürftig, da hierüber seine wahre Identität feststellbar sei. Verstöße dagegen verletzten die Privatsphäre des „Künstlers“ Rezo und würden zivilrechtlich verfolgt.

Ist diese Aufforderung ernst zu nehmen und berechtigt?

Rezo leitet seinen Anspruch, in Ruhe gelassen zu werden, aus seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht ab und behauptet, die Nennung seines Klarnamens betreffe seine Privatsphäre. Neben der Privatsphäre umfasst das allgemeine Persönlichkeitsrecht die Sozial- und die Intimsphäre. Ob eine dieser Sphären beeinträchtigt ist und ob der Schutz der Privatperson die Interessen der Öffentlichkeit an Information überwiegt, wird mittels einer Abwägung der betroffenen Grundrechte ermittelt.

Der bürgerliche Name einer Person, mit der sie nach außen hin in Erscheinung tritt, dürfte weniger der Privat- als vielmehr der Sozialsphäre zuzuordnen sein. Der Name ist die einer Person zugeordnete Information, die ihrer Identifizierung und Individualisierung dient. Beeinträchtigungen der Sozialsphäre sind in der Regel hinzunehmen, sofern keine unwahren Tatsachenbehauptungen verbreitet werden. Nur dann, wenn Rezo tatsächlich einen Anspruch darauf hat, anonym zu bleiben, ließe sich seine Forderung nachvollziehen.

Mit seinem Wunsch, seine bürgerliche Identität geheim zu halten, steht Rezo nicht allein da. Der Comedian Atze Schröder, der ebenfalls seine Frisur zu seinem Markenzeichen gemacht hat, wollte auch gerne anonym bleiben. Vor dem Landgericht Berlin hatte er mit diesem Anspruch im Jahr 2006 noch Erfolg. Doch in später geführten Rechtsstreiten vor den Landgerichten Berlin und Hamburg blitzte er ab. Das dürfte auch Rezo so ergehen, sollte sein bürgerlicher Name tatsächlich eines Tages veröffentlicht werden. Denn das Interesse der Öffentlichkeit, mehr über den Hintergrund von „Rezo“ zu erfahren, ist – sofern er dessen Sozialsphäre betrifft – in Anbetracht der Breitenwirkung seiner Videos nachvollziehbar und berechtigt. Schließlich hat Rezo sich durch seine viel beachteten Videos selbst einem großen Teil der Öffentlichkeit präsentiert.

Praxistipp
Jeder Mensch definiert durch sein Verhalten die Reichweite seines Persönlichkeitsrechts selbst. Wenn eine Person Informationen über ihr Privatleben in der Öffentlichkeit preisgibt, kann sie, zumindest für einen gewissen Zeitraum nach Preisgabe, nicht beanspruchen, dass dieser Teil ihres Privatlebens tabu ist. Aber auch wirtschaftlicher oder medialer Erfolg kann ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit begründen, mehr über das Verhalten einer Person in ihrer Sozialsphäre zu erfahren. Das war schon den Römern bewusst: Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.

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