04
Mar
2021

Unternehmensteuerrecht

Sofortabschreibung für Computerhardware und Software soll die Digitalisierung fördern und eine Konjunkturbelebung bewirken

Dr. Robert Kroschewski

Die Bundesregierung verkürzt die Nutzungsdauer von Computerhardware und Software. Im Rahmen der Videoschaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Ländern am 19.01.2021 wurde bereits als Konjunkturmaßnahme und als Förderung der Digitalisierung eine Sofortabschreibung für digitale Wirtschaftsgüter angekündigt. Das entsprechende BMF-Schreiben wurde nunmehr am Freitag, 26.02.2021, veröffentlicht.

Der Gesetzgeber möchte mit diesem Schritt die seit zwanzig Jahren nicht mehr aktualisierte Nutzungsdauer von Computerhardware und Software zur Dateneingabe und -verarbeitung auf einen aktuellen Stand bringen. Im Ergebnis wird nun die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer, die gleichzeitig Grundlage für die Abschreibung nach § 7 EStG ist, von vormalig überwiegend drei Jahren auf ein Jahr reduziert.

Die angepasste Nutzungsdauer ist erstmalig gültig für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2020 enden. Infolgedessen dürfen auch Restbuchwerte von bereits angeschafften Wirtschaftsgütern sofort abgeschrieben werden, sofern sie in eine der folgenden Kategorien einzuordnen sind.

Computerhardware

  • Computer
  • Desktop-Computer
  • Notebook-Computer
  • Desktop-Thin-Client
  • Workstation
  • Mobile Workstation
  • Small-Scale-Server
  • Dockingstation / Externes Netzteil
  • Eingabe- & Ausgabegeräte / Externe Speicher

Software

  • Betriebs- und Anwendersoftware zur Dateneingabe und –verarbeitung
  • nicht technisch physikalische Anwendungsprogramme eines Systems zur Datenverarbeitung
  • Standardanwendungen / individualisierte Anwendungen, beispielhaft:

    • ERP-Software
    • Software für Warenwirtschaftssysteme, oder
    • sonstige Anwendungssoftware zur Unternehmensverwaltung oder Prozesssteuerung.

Für Privatpersonen gelten die neuen Regeln gleichermaßen, allerdings nur insofern die Wirtschaftsgüter zur Einkünfteerzielung angeschafft werden.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Neuregelung in Zeiten corona-bedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten von vielen Unternehmen begrüßt werden dürfte, da sie zu kurzfristiger Entlastung durch sofort abziehbare Betriebsausgaben führt. Gleichermaßen wirft die Anpassung der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer für Computerhardware und Software bei näherer Betrachtung auch Fragen auf.

So ist es unwahrscheinlich, dass bei den genannten Wirtschaftsgütern von einer nur einjährigen tatsächlichen, empirisch nachvollziehbaren Nutzungsdauer auszugehen ist. Das Beispiel der Einführung von ERP-Systemen in größeren Unternehmen zeigt, dass allein die Implementierungsphase mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. Es wurde bisher grundsätzlich eine Mindestnutzungsdauer für ERP-Systeme von fünf Jahren unterstellt. Infolgedessen ist die Relevanz der steuerlichen AfA-Tabellen für handelsrechtliche Fragestellungen gemindert. Die politischen Interessen einer Konjunkturbelebung stehen überwiegend im Vordergrund, vor dem ursprünglichen Leitmotiv möglichst realistischer Abschreibungsdauern.

Unter Mitarbeit von Lennart von Hintzenstern.

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