21
Dec
2017

Unternehmensteuerrecht

Steueroptimierte Finanzierung mittels unverzinstem Darlehen

Dr. Robert Kroschewski

Für die Ermittlung des steuerlichen Gewinns sind im rein nationalen Kontext auch unüblich niedrige Zinsen grundsätzlich anzuerkennen. Verbreitet werden niedrigverzinsliche Darlehen deshalb eingesetzt, um Verluste zu vermeiden, die nicht unmittelbar steuerwirksam werden und damit aus Sicht der Unternehmensgruppe zu einer übermäßigen Steuerbelastung führen.

Besondere Effekte ergeben sich, wenn langfristige Darlehen gar nicht verzinst werden. Beim Darlehensnehmer sind sie für steuerliche Zwecke abzuzinsen – und zwar mit einem Zinssatz von 5,5 %. Hieraus ergeben sich gegebenenfalls ganz erhebliche steuerpflichtige Erträge, die in den Folgejahren aber entsprechend aufzuzinsen und somit gewinnmindernd zu steuerlichem Aufwand werden. Es kann deshalb im Einzelfall, insbesondere bei einer punktuellen Verlustsituation, steuerlich sehr effizient sein, von der weiteren Verzinsung der Finanzierung abzusehen.

Zu einem wichtigen Teilaspekt solcher Gestaltungen hat das Finanzgericht Münster am 7. November (Az. 4 K 3523/14 F) eine beachtenswerte Entscheidung getroffen: Der sich aus der Abzinsung ergebende steuerliche Ertrag gilt als Zinsertrag, wenn die Nettozinsbelastung für Zwecke der so genannten Zinsschrankenregelung zu ermitteln ist.

Ganz vereinfacht ausgedrückt gilt nach der Zinsschrankenregelung, dass Zinsaufwendungen insoweit ertragsteuerlich nicht als Aufwand zu berücksichtigen sind, als der Überschuss des Zinsaufwandes über den Zinsertrag nur bis zu 30 % des EBITDA abzugsfähig ist. Dank der Berücksichtigung des Zinsertrages aus der Abzinsung kann durch eine solche Gestaltung in erheblichem Maße Zinsaufwand steuerwirksam gemacht werden, auch wenn sich handelsrechtlich kein hinreichender EBITDA ergibt, zumal dies dazu führen kann, dass der Nettozinsaufwand innerhalb der Freigrenze (EUR 3 Mio. p. a.) bleibt.

Das Finanzgericht Münster ist insoweit der Auffassung der Finanzverwaltung entgegengetreten. Die Revision zum Bundesfinanzhof ist zugelassen. Vorerst bleibt damit ungewiss, ob diese günstigen Effekte für die Zinsschranke letztlich fruchtbar gemacht werden können.

Fazit
Finanzierungsstrukturen innerhalb der Unternehmensgruppe unter Verwendung unverzinsliche Darlehen können im Einzelfall steuerlich attraktiv sein. Es bestehen berechtigte Erwartungen, dass sich zugleich positive Effekte für den Zinsabzug im Rahmen der Zinsschrankenregelung ergeben.

» zur Übersicht