11
Aug
2015

Gewerblicher Rechtsschutz

Über den Wolken: Flugpreise müssen bei Buchung transparent sein

Dr. Ralf Möller, M.Jur. (Oxford)

Der BGH hat am 30. Juli 2015 (Az. I ZR 29/12) der oftmals intransparenten Darstellung des tatsächlichen Flugpreises erneut einen Riegel vorgeschoben. Demnach müssen Fluggesellschaften im Rahmen eines elektronischen Buchungssystems bei jeder Angabe von Preisen für Flüge den zu zahlenden Endpreis einschließlich aller Preisbestandteile angeben.

Wer hat sich nicht schon einmal darüber geärgert, dass der zunächst ausgelobte günstige Flugpreis nach Durchführung mehrerer Buchungsschritte am Ende doch höher war, als zunächst angegeben. Gerade wenn der tatsächliche (höhere) Endpreis erst nach langwieriger Durchführung mehrerer Buchungsschritte ersichtlich wird, ist die Frustration oftmals hoch. Die Anbieter spekulieren darauf, dass der Verbraucher am Ende zähneknirschend die Buchung zum höheren Preis vornimmt, anstatt erneut Zeit in die Suche nach einem günstigeren Flug zu investieren.

BGH: Wettbewerbswidrigkeit intransparenter Flugpreise

Der BGH untersagte der beklagten Fluggesellschaft, Buchungssysteme bereitzuhalten, bei denen zunächst lediglich die reinen Flugpreise ausgewiesen waren und der Endpreis für einen bestimmten Flugdienst erst im weiteren Buchungsprozess auf späteren Internetseiten angegeben war. Der Bundesgerichtshof folgte damit einer Vorabentscheidung des Gerichtshofes der Europäischen Union. Die Wettbewerbswidrigkeit folge daraus, dass es an einer übersichtlichen Darstellung der Endpreise für den Verbraucher fehle.

Service Charge, Gebühr für VISA-Zahlung etc.

Nicht nur Fluggesellschaften, sondern auch zahlreiche Buchungsportale (sei es für Flüge, Hotelzimmer oder Pauschalreisen) kämpfen im Internet mit harten Bandagen, wenn es um den Verkauf Ihrer Leistungen geht. Nur wer den günstigsten Preis anbieten kann, bleibt wettbewerbsfähig. Die Transparenz bleibt dabei leider oftmals zum Nachteil der Verbraucher auf der Strecke. Die „schwarzen Schafe“ der jeweiligen Branchen versuchen immer wieder, durch „kreative“ Preisgestaltungen einen effektiven Preisvergleich zu erschweren. Deshalb ist es begrüßenswert, dass der BGH derartigen Praktiken mit seinem jüngsten Urteil erneut einen Riegel vorschiebt.

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