Nach Jahren des Zinstiefs hat die Europäische Zentralbank den Leitzins wieder erhöht (Stand 02.11.2022: 2,0%). Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass weitere Erhöhungen zur Bekämpfung der anhaltenden Inflation und zur Anpassung an vorherrschende globale Zinsparität erfolgen. Die Marktzinserhöhung in Kombination mit einem starken inflationären Güterpreisanstieg hat auch Auswirkungen auf die handelsrechtliche Bilanzierung von Pensionsrückstellungen.

Grundsätzlich sind Pensionsrückstellungen in Höhe des nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrags gemäß § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB zu bewerten. Aufgrund ihrer Langfristigkeit sind diese Verpflichtungen abzuzinsen. Der für die Abzinsung zugrundeliegende Zinssatz wird regelmäßig durch die Deutsche Bundesbank anhand der Svensson Methode ermittelt und veröffentlicht. Dabei wird grundsätzlich der Durchschnittszinssatz der letzten 7 Jahre verwendet.

Um eine signifikante Erhöhung der Pensionsverpflichtungen in den Handelsbilanzen in der Niedrigzinsphase zu vermeiden, hat der Gesetzgeber im Rahmen des BilRUG im Jahre 2016 den Durchschnittbetrag für die Ermittlung des Diskontierungszinssatzes von sieben auf zehn Jahre verlängert. Somit wurden Jahre mit höheren Zinsniveau bei der Ermittlung des Zinssatzes berücksichtigt und so der Anstieg der Pensionsrückstellungen abgemildert. 

Dieser Zweck ist mit dem eingangsbeschriebenen Anstieg der Zinsstrukturkurve entfallen. Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat sich daher mit dem Vorschlag auf Rückänderung des Handelsrechts auf den Stand des BilMoG an das Bundesministerium der Justiz gewandt. Des Weiteren wird vom IDW empfohlen den Diskontierungssatz für einen gewissen Zeitraum einzufrieren – quasi als Übergangsregel. Zumindest bis das Zinsniveau gemäß Berechnungsregel des BilMoG den Zinssatz nach dem 7-Jahres-Durchschnittsatz übersteigt. 

Eine finale Entscheidung dazu steht noch aus. Die weitere gesetzgeberische Entwicklung ist abzuwarten. Wir halten Sie dbzgl. hier auf dem Laufenden.